What to Log: Die 10 wichtigsten Log-Quellen für IT-Admins
Einleitung
Die größte Log-Falle im KMU-Umfeld ist nicht zu wenig Speicherplatz – es ist das falsche Logging. Systeme, die gigabyteweise Debug-Output produzieren, aber den Authentication-Event nicht aufzeichnen. Dieser Artikel zeigt dir, welche 10 Log-Quellen für Security wirklich zählen und warum alles andere erstmal nachrangig ist.
Warum das Thema wichtig ist
Logging ist die Grundlage von Detection und Response. Ohne die richtigen Quellen kannst du Angriffe nicht erkennen, Incidents nicht rekonstruieren, Forensik nicht betreiben. Das Problem: In den meisten KMU-Umgebungen wird geloggt, was per Default aktiv ist – und das ist selten das, was Security-relevante Ereignisse abdeckt. Windows loggt mit Basis-Einstellungen kaum etwas Nützliches. Linux läuft oft ohne Auditd-Regeln. Netzwerkgeräte sind komplett stumm. Ergebnis: Ein Angreifer hat wochenlang freie Bahn – und du merkst es erst, wenn der Schaden fertig ist.
Die 10 wichtigsten Log-Quellen
1. Windows Security Event Log
Der wichtigste Log-Kanal auf Windows-Systemen. Ohne ihn bist du blind für Authentication, Privilege-Escalation, Account-Manipulation.
Kritische Event IDs:
- 4624 – Erfolgreiche Anmeldung
- 4625 – Fehlgeschlagene Anmeldung (Brute-Force-Indikator)
- 4648 – Anmeldung mit expliziten Credentials (Pass-the-Hash)
- 4672 – Admin-Privileges zugewiesen
- 4688 – Process Creation (mit aktiviertem Auditing)
- 4698 / 4702 – Scheduled Task erstellt/verändert (Persistence)
- 4720 / 4726 – Benutzerkonto erstellt/gelöscht
Aktivierung per GPO:
Computer Configuration → Windows Settings → Security Settings
→ Advanced Audit Policy Configuration
→ Logon/Logoff: Audit Logon = Success + Failure
→ Detailed Tracking: Audit Process Creation = Success
2. Windows PowerShell Logging
PowerShell ist das bevorzugte Tool für Living-off-the-Land. Ohne Logging siehst du nichts davon.
Wichtige Settings:
- Module Logging (Event ID 4103)
- Script Block Logging (Event ID 4104) – inkl. deobfuskiertem Code
- Transcription (vollständiges Session-Log auf Disk)
GPO-Pfad:
Computer Configuration → Administrative Templates
→ Windows Components → Windows PowerShell
→ Turn on Module Logging / Script Block Logging / Transcription
3. Sysmon
Sysmon (System Monitor, kostenlos von Microsoft Sysinternals) liefert tiefe Endpoint-Telemetrie, die im normalen Security-Log fehlt.
Wichtige Sysmon-Events:
- Event ID 1 – Process Creation mit Command Line, Hash, Parent
- Event ID 3 – Network Connection
- Event ID 7 – Image Loaded (DLL-Injection-Indikator)
- Event ID 10 – Process Access (LSASS-Dumping)
- Event ID 11 – File Created
- Event ID 13 – Registry Value Set
Empfohlene Config: SwiftOnSecurity Sysmon Config auf GitHub – community-gepflegt, sofort einsatzbereit.
sysmon64 -accepteula -i sysmonconfig.xml
4. Linux Auditd
Das Linux-Audit-Framework ist der Gegenpol zu Sysmon – extrem granular konfigurierbar, mit Defaults nahezu nutzlos.
Beispiel-Regeln (/etc/audit/rules.d/audit.rules):
# Privilegierte Kommandos
-a always,exit -F arch=b64 -S execve -F euid=0 -k priv_exec
# sudoers-Änderungen
-w /etc/sudoers -p wa -k sudoers_changes
# SSH-Schlüssel
-w /root/.ssh -p wa -k ssh_keys
# Auth-Logs
-w /var/log/auth.log -p wa -k auth
# Crontab (Persistence)
-w /var/spool/cron -p wa -k crontab
Aktivieren: augenrules --load && systemctl restart auditd
5. Firewall Logs
Firewall-Logs zeigen nicht nur, was geblockt wird – sie zeigen Verbindungsaufbau, Zielpunkte, Kommunikationsmuster.
Was du brauchst:
- Ausgehende Verbindungen auf ungewöhnliche Ports (C2 nutzt oft 443 zu IPs ohne gültiges Zertifikat)
- Eingehende Verbindungsversuche auf bekannte Exploit-Ports
- Interne Ost-West-Bewegungen (Lateral Movement)
Auf pfSense / OPNsense: Logging auf relevanten Regeln aktivieren, per Syslog forwarden.
6. DNS Logs
DNS ist der meistunterschätzte Log-Kanal. Fast jeder Angriff nutzt DNS – C2-Kommunikation, Data Exfiltration via DNS Tunneling, klassische Lookups vor dem Angriff.
Windows DNS Server:
Set-DnsServerDiagnostics -All $true -LogFilePath "C:\dns_debug.log"
bind9:
logging {
channel query_log {
file "/var/log/named/queries.log" versions 3 size 5m;
print-time yes;
severity dynamic;
};
category queries { query_log; };
};
Pi-hole oder AdGuard Home als zentraler Resolver liefern alle Queries zentral und mit User-Mapping.
7. VPN / Remote-Access Logs
Mit Remote Work ist VPN ein bevorzugter Angriffsvektor.
Was du brauchst:
- Alle Authentication-Events (Success + Failure)
- Simultane Sessions vom selben Account aus verschiedenen Geos
- Ungewöhnliche Verbindungszeiten
- Failed-Login-Spitzen (Password Spray)
8. Active Directory / Domain Controller Logs
AD ist das Goldmittel für Detection in Windows-Umgebungen. Die wichtigsten Angriffstechniken (Kerberoasting, Pass-the-Hash, DCSync) hinterlassen Spuren auf den DCs.
Wichtige Event IDs:
- 4768 / 4769 – Kerberos TGT / Service Ticket Request
- 4776 – NTLM Authentication
- 4662 – Object Access (DCSync-Detection)
- 4728 / 4732 / 4756 – Mitglied zu privilegierter Gruppe hinzugefügt
9. Web Server / Application Logs
Wenn du Webserver oder Applikationen betreibst – intern oder extern – sind deren Logs für Detection wichtig.
Apache/Nginx Combined Log:
192.168.1.100 - - [15/Jan/2024:14:23:10 +0100] "GET /wp-login.php HTTP/1.1" 200 1234
Verdachtsmuster:
- Masse von 404 (Scanning)
- POST auf
/wp-login.php,/admin/,/phpmyadmin/ - SQL-Injection-Pattern in Request-URLs
- Ungewöhnliche User-Agents (Nikto, sqlmap, masscan)
10. E-Mail Security Gateway Logs
Phishing ist nach wie vor der häufigste initiale Angriffsvektor.
Was geloggt gehört:
- Geblockte Attachments mit Malware-Erkennung
- Geklickte URLs in E-Mails (bei aktivem URL-Rewriting)
- Failed Authentication am Mail-Server
- Auffällige Sender-Domains und Spoofing-Versuche
Priorisierung: Was zuerst?
Wenn du von null anfängst:
Woche 1–2: Windows Security Event Log (DCs + Workstations), Sysmon auf kritischen Systemen Woche 3–4: Firewall-Logs zentralisieren, DNS-Logging aktivieren Monat 2: Auditd auf Linux-Servern, AD-Events auf DCs verfeinern Monat 3: VPN-Logs, Application-Logs, E-Mail-Gateway
Praxis-Checkliste
- Windows Advanced Audit Policy aktiviert (Logon Success/Failure, Process Creation)
- PowerShell Script Block Logging aktiviert
- Sysmon auf allen Windows-Systemen mit SwiftOnSecurity-Config installiert
- Auditd auf Linux-Servern mit Security-relevanten Regeln konfiguriert
- Firewall-Logging für ein- und ausgehenden Traffic aktiv
- DNS-Logging zentralisiert (Windows DNS oder zentraler Resolver)
- AD/DC-Events auf Kerberos und Gruppenänderungen konfiguriert
- VPN-Auth-Events geloggt und zentralisiert
- Alle Quellen an zentralen Collector (Syslog, ELK, Graylog, Wazuh) geleitet
- Log-Retention definiert (mind. 90 Tage, besser 12 Monate)
Fazit
Logging ist keine Einheitsgröße. Der entscheidende Schritt ist Priorisierung der Quellen, die tatsächlich Angriffsspuren liefern. Windows Security Event Log, Sysmon und Firewall-Logs geben dir massiven Visibility-Gewinn – mit kostenlosen Tools. Fang dort an, bevor du ein SIEM kaufst.
Wenn du tiefer einsteigen willst: Im Newsletter zeige ich jeden Monat konkrete Logging-Setups, SIGMA-Rules und Threat-Intelligence. Trag dich ein.