Vulnerability Scanning mit OpenVAS / Greenbone: Schritt-für-Schritt
Einleitung
Ohne Scan weißt du nicht, was offen ist. Vulnerability Scanning ist die Grundlage jedes ernsthaften Schwachstellenmanagements – und mit der Greenbone Community Edition bekommst du dafür ein professionelles Werkzeug ohne Lizenzkosten. Dieser Artikel führt dich von der Installation bis zum ersten aussagekräftigen Scan-Report.
Warum das Thema wichtig ist
Ein Vulnerability Scanner sieht deine Infrastruktur so wie ein Angreifer, der nach Einfallstoren sucht: systematisch, reproduzierbar, ohne Vorurteile. Er testet auf bekannte Schwachstellen, Fehlkonfigurationen, veraltete Dienste und schwache Authentifizierung. Ohne regelmäßige Scans bist du blind: Du weißt nicht, welche Schwachstellen du hast, und kannst folglich nicht priorisieren. Greenbone CE ist die erste Wahl im Open-Source-Bereich – basiert auf dem kommerziellen Produkt, ist vollständig funktionsfähig und für KMU mehr als ausreichend.
OpenVAS vs. Greenbone CE: Was ist was?
- OpenVAS ist die Scanner-Engine (Kern des Systems).
- Greenbone Community Edition (GCE) ist die vollständige Lösung inkl. Web-UI, Datenbank, Feed-Management.
- Greenbone Enterprise ist das kommerzielle Produkt mit Support und schnelleren Feed-Updates.
Für KMU ist die Community Edition die richtige Wahl.
Installation: Docker-basiertes Setup
Voraussetzung: Linux-Host (Ubuntu 22.04 empfohlen) mit ≥ 4 GB RAM und 20 GB Plattenplatz.
Docker installieren
sudo apt update && sudo apt install -y docker.io docker-compose-plugin
sudo systemctl enable --now docker
sudo usermod -aG docker $USER
Greenbone Community Edition deployen
curl -f -L \
https://greenbone.github.io/docs/latest/_static/docker-compose-22.4.yml \
-o docker-compose.yml
docker compose -f docker-compose.yml -p greenbone-community-edition up -d
Der erste Start dauert 10–30 Minuten – die NVT-Feeds (Network Vulnerability Tests) werden geladen und die Datenbank initialisiert.
Admin-Passwort setzen
docker compose -f docker-compose.yml -p greenbone-community-edition \
exec -u gvmd gvmd gvmd --user=admin --new-password='DeinSicheresPasswort'
Login unter https://localhost:9392 mit admin / dein Passwort.
Den ersten Scan konfigurieren
Target anlegen
Configuration → Targets → New Target
- Name: z. B. „Internes Netz 192.168.1.0/24“
- Hosts: IP-Range oder einzelne IPs
- Credentials: für authentifizierte Scans (siehe unten)
- Port List: „All IANA assigned TCP and UDP“ für vollständigen Scan
Task erstellen
Scans → Tasks → New Task
- Name: z. B. „Wöchentlicher interner Scan“
- Scan Config: Full and fast (Standard-Empfehlung)
- Target: dein Target
- Scanner: OpenVAS Default
Scan-Configs im Überblick
| Config | Geeignet für | Dauer |
|---|---|---|
| Discovery | Nur Port-Scan, keine Tests | Schnell |
| Full and fast | Vollständiger Scan | Mittel |
| Full and fast ultimate | Alle Tests inkl. potenziell störender | Lang |
| System Discovery | Asset-Discovery ohne Vuln-Tests | Schnell |
Für den Alltag: Full and fast. Für gelegentliche Tiefen-Scans: ultimate – aber teste das in einer Wartungsnacht, nicht zur Stoßzeit.
Authentifizierte vs. nicht-authentifizierte Scans
Nicht-authentifiziert: Der Scanner sieht nur, was ein externer Angreifer ohne Credentials sieht – offene Ports, Service-Banner. Gut als Baseline, aber viele Schwachstellen bleiben unsichtbar.
Authentifiziert: Der Scanner meldet sich an und prüft installierte Software, Patch-Stand, Konfiguration. Liefert ein Vielfaches an Findings.
Credentials anlegen
Windows (Configuration → Credentials → New Credential):
- Type: Username + Password (für SMB)
- Domänen-Account mit lokalem Admin-Recht auf den Zielsystemen
Linux:
- SSH-Key empfohlen (sicherer als Passwort)
- User mit
sudo-Rechten für vollständige Scans
Reports lesen und priorisieren
Scans → Reports → letzter Report
Wichtige Filter:
- Severity: Critical, High, Medium, Low, Log
- Solution Type: VendorFix (Patch verfügbar), Mitigation, WillNotFix
- QoD (Quality of Detection): ≥ 70 % als Filter eliminiert die meisten False Positives
Workflow:
Report exportieren (CSV/XML)
│
├── Filter: Severity = Critical/High
├── Filter: Solution Type = VendorFix
├── Filter: QoD ≥ 70 %
│
└── Pro Finding:
├── CVSS + EPSS prüfen
├── CISA-KEV-Status checken
├── Betroffene Systeme identifizieren
├── Ticket erstellen, SLA setzen
└── Re-Scan nach Patch
Typische Findings in KMU-Umgebungen
- Veraltete TLS-Versionen (TLS 1.0/1.1 noch aktiv)
- Schwache SSH-Ciphers
- Veraltete Web-Applikationen (WordPress, CMS)
- Default-Credentials auf Druckern und Routern
- Unverschlüsselte Protokolle (HTTP, Telnet, FTP)
- Fehlende Security-Header
Scan-Zeitplan einrichten
Manuelle Scans reichen nicht.
Edit Task → Schedule → New Schedule
- Frequency: weekly, z. B. So 02:00 Uhr
- Alerts:
Configuration → Alerts → E-Mail bei Critical-Findings
Gotchas
- Performance: Greenbone CE auf 4 GB RAM ist knapp. Bei größeren Netzen 8 GB+ einplanen.
- Feed-Updates: dauern beim ersten Start sehr lange. Geduld haben, nicht abbrechen.
- False Positives: Bei „Authentication failed“ zuerst Credentials prüfen, bevor man dem Finding glaubt.
- Netzwerklast: Full-and-fast-Scans erzeugen Traffic. IDS/IPS vorab informieren, sonst gibt es Tickets aus der falschen Richtung.
Praxis-Checkliste
- Greenbone Community Edition via Docker auf dediziertem Scan-System installiert
- Admin-Credentials gesetzt, erste Anmeldung erfolgreich
- Targets für alle relevanten Netzsegmente angelegt
- Authentifizierte Credentials für Windows und Linux konfiguriert
- Erster Full-and-fast-Scan durchgeführt und Report analysiert
- Report-Filter (Critical/High + VendorFix + QoD ≥ 70 %) etabliert
- Top-10-Findings im Ticket-System mit SLA hinterlegt
- Wöchentlicher Scan-Zeitplan aktiv
- E-Mail-Alert bei Critical-Findings konfiguriert
- Quartalsweise Delta-Report: Was hat sich verbessert?
Fazit
Vulnerability Scanning ist kein Einmal-Projekt, sondern ein Loop: scannen, priorisieren, beheben, erneut scannen. Greenbone CE liefert dir das Werkzeug ohne Lizenzkosten. Der Aufwand für die Einrichtung ist überschaubar – der Erkenntnisgewinn erheblich.
Wenn du tiefer einsteigen willst: Im Newsletter zeigen wir jeden Monat konkrete Schwachstellen-Workflows und Tool-Setups. Trag dich ein.