Wazuh als Open-Source-SIEM: Schritt-für-Schritt-Setup für KMU
Einleitung
Ein vollwertiges SIEM ohne Lizenzkosten? Mit Wazuh geht das. Die Open-Source-Plattform vereint EDR, Log-Management, File Integrity Monitoring und Vulnerability Detection unter einer Oberfläche. Dieser Artikel führt dich vom Server-Setup bis zur ersten produktiven Detection – mit konkreten Konfigurationen, nicht nur Marketing-Versprechen.
Warum das Thema wichtig ist
KMU stehen beim Thema SIEM oft vor einer Wahl: Enterprise-Tool für ein Vermögen, fortgeschrittenes EDR-Abo mit Vendor-Lock-in oder gar nichts. Wazuh ist die dritte Option, die in der Diskussion meistens fehlt: vollständig Open Source, technisch erwachsen (Fork von OSSEC mit massiven Erweiterungen), mit Agent-Support für Windows, Linux, macOS, Solaris, AIX. Out of the box bekommst du Log-Korrelation, MITRE-ATT&CK-Mapping, CIS-Benchmarks und Schwachstellen-Scanning. Für die meisten KMU-Umgebungen ist das mehr als ausreichend.
Was Wazuh ist – und was nicht
Was Wazuh kann:
- Endpoint-Telemetrie (Sysmon-ähnlich, plus Linux/macOS)
- Log-Aggregation und -Analyse (mit eingebauten Decodern)
- File Integrity Monitoring (FIM)
- Configuration Assessment (SCA, CIS-Benchmarks)
- Vulnerability Detection (auf Basis NVD/Vendor-Feeds)
- MITRE-ATT&CK-Mapping in der Indexer-UI
- Aktive Reaktionen (Block IP, Kill Process, etc.)
Was Wazuh nicht ist:
- Kein UEBA-System mit ML-basierter Anomalie-Erkennung
- Kein vollständiger Ersatz für kommerzielle EDRs mit Cloud-Backend
- Keine SOAR-Plattform (basic Active Response, aber nichts Komplexes)
Für 80–90 % aller KMU-Use-Cases reicht das.
Architektur
Wazuh besteht aus drei Komponenten:
- Wazuh Manager – die zentrale Engine (Decoder, Rules, Korrelation)
- Wazuh Indexer – OpenSearch-Fork zur Speicherung und Suche
- Wazuh Dashboard – OpenSearch-Dashboards-Fork für Visualisierung
Plus Wazuh Agents auf den Endpoints, die Logs und Telemetrie zum Manager senden.
Sizing-Faustregel:
| Endpoints | RAM | CPU | Disk (90 Tage) |
|---|---|---|---|
| < 50 | 8 GB | 4 vCPU | 200 GB |
| 50 – 200 | 16 GB | 8 vCPU | 1 TB |
| 200 – 1000 | 32 GB | 16 vCPU | 4 TB |
Für KMU < 100 Endpoints reicht eine einzelne VM mit allen drei Komponenten.
Installation: All-in-One auf Ubuntu 22.04
# Wazuh-Installer herunterladen
curl -sO https://packages.wazuh.com/4.7/wazuh-install.sh
# All-in-One Installation
sudo bash ./wazuh-install.sh -a
Nach 10–20 Minuten bekommst du Output mit den Admin-Credentials. Notiere sie sicher.
Dashboard öffnen unter https://<server-ip> – Login mit dem generierten admin-Passwort.
Ersten Agent ausrollen
Windows
Auf dem Wazuh-Dashboard: Endpoints → Deploy new agent → Windows. Du bekommst eine PowerShell-Befehlszeile, die du auf dem Zielsystem als Admin ausführst:
Invoke-WebRequest -Uri https://packages.wazuh.com/4.x/windows/wazuh-agent-4.7.0-1.msi `
-OutFile $env:tmp\wazuh-agent.msi
msiexec.exe /i $env:tmp\wazuh-agent.msi /q `
WAZUH_MANAGER='wazuh.example.local' `
WAZUH_REGISTRATION_SERVER='wazuh.example.local'
NET START WazuhSvc
Linux
# Repository hinzufügen
curl -s https://packages.wazuh.com/key/GPG-KEY-WAZUH | sudo gpg --no-default-keyring \
--keyring gnupg-ring:/usr/share/keyrings/wazuh.gpg --import
echo "deb [signed-by=/usr/share/keyrings/wazuh.gpg] https://packages.wazuh.com/4.x/apt/ stable main" \
| sudo tee /etc/apt/sources.list.d/wazuh.list
# Agent installieren
sudo apt update
sudo WAZUH_MANAGER='wazuh.example.local' apt install -y wazuh-agent
sudo systemctl enable --now wazuh-agent
Der Agent meldet sich nach dem Start am Manager an und taucht im Dashboard auf.
Wichtige Module konfigurieren
File Integrity Monitoring (FIM)
In der Agent-Konfiguration (ossec.conf auf Linux, Wazuh\ossec.conf auf Windows):
<syscheck>
<directories check_all="yes" realtime="yes">/etc,/usr/bin,/usr/sbin</directories>
<directories check_all="yes" realtime="yes">/var/spool/cron</directories>
<directories check_all="yes" report_changes="yes">/etc/ssh</directories>
<ignore>/var/log</ignore>
<frequency>43200</frequency>
</syscheck>
Log-Collection
<localfile>
<log_format>syslog</log_format>
<location>/var/log/auth.log</location>
</localfile>
<localfile>
<log_format>eventchannel</log_format>
<location>Microsoft-Windows-Sysmon/Operational</location>
</localfile>
Vulnerability Detection (Manager-seitig)
In /var/ossec/etc/ossec.conf:
<vulnerability-detector>
<enabled>yes</enabled>
<interval>5m</interval>
<run_on_start>yes</run_on_start>
<provider name="canonical">
<enabled>yes</enabled>
<os>focal</os>
<os>jammy</os>
</provider>
<provider name="msu">
<enabled>yes</enabled>
</provider>
<provider name="nvd">
<enabled>yes</enabled>
</provider>
</vulnerability-detector>
Manager neustarten: systemctl restart wazuh-manager. Findings landen unter Vulnerabilities im Dashboard.
CIS-Benchmarks (SCA)
Standardmäßig aktiv. Findings unter Security configuration assessment. Was den CIS-Benchmark bricht, fliegt direkt ins Dashboard.
Eigene Detection-Regel schreiben
Eine Wazuh-Regel besteht aus Decoder (parst das Log) und Rule (matcht auf parserisierte Felder).
Beispiel: Detection für mehrfach fehlgeschlagene SSH-Logins (existiert bereits, aber gut zum Verstehen).
In /var/ossec/etc/rules/local_rules.xml:
<group name="local,sshd,">
<rule id="100100" level="10" frequency="6" timeframe="60">
<if_matched_sid>5716</if_matched_sid>
<same_source_ip />
<description>SSH brute force – 6 Failures in 60 seconds from $(srcip)</description>
<mitre>
<id>T1110.001</id>
</mitre>
</rule>
</group>
Manager neustarten – die Regel ist aktiv. Im Dashboard taucht sie bei Auslösen unter Threat Hunting auf.
SIGMA-Rules nach Wazuh konvertieren
Mit sigma-cli und dem Wazuh-Backend kannst du SIGMA-Regeln in Wazuh-Format umwandeln:
sigma plugin install wazuh
sigma convert -t wazuh office_mshta.yml
Active Response: Mehr als nur Alerts
Wazuh kann auf Alerts reagieren. Beispiel: SSH-Brute-Force → IP für 10 Minuten blocken.
<active-response>
<command>firewall-drop</command>
<location>local</location>
<rules_id>100100</rules_id>
<timeout>600</timeout>
</active-response>
Vorsicht: Active Response ist mächtig und kann False Positives in Outages verwandeln. Anfangs nur in Testphase.
Tuning: Der wichtigste Schritt
Out-of-the-box produziert Wazuh viele Alerts – manche relevant, viele Rauschen. Tuning ist Pflicht:
- Top-Alerts der ersten Woche analysieren
- Bekannte legitime Quellen auf eine Whitelist setzen
- Rules anpassen oder per
<no_log>1</no_log>unterdrücken - Regelmäßig wiederholen
Praxis-Checkliste
- Wazuh-Server (All-in-One) auf VM mit ausreichender Größe deployt
- Admin-Credentials sicher abgelegt (Passwort-Manager)
- HTTPS-Zertifikat ersetzt (Standard ist self-signed)
- Mindestens 80 % der Endpoints mit Agent ausgestattet
- FIM auf kritische Pfade konfiguriert
- Sysmon-Logs von Windows-Agents an Wazuh weitergeleitet
- Vulnerability Detector aktiviert und erste Reports gesichtet
- CIS-Benchmark-Findings durchgegangen
- Eigene Detection-Rule für einen konkreten Use-Case geschrieben
- Tuning-Routine: wöchentliche Top-Alerts-Analyse
- Backup der
/var/ossec/etc-Konfiguration in Git
Fazit
Wazuh ist kein Spielzeug. Es ist ein produktives SIEM mit ernsthaften EDR-Funktionen, das viele KMU-Anforderungen abdeckt – ohne Lizenzkosten, ohne Cloud-Zwang. Der Aufwand für Setup ist überschaubar (ein Tag für die Erst-Installation, eine Woche für die ersten 50 Agents). Tuning bleibt eine kontinuierliche Aufgabe – aber das gilt für jedes SIEM.
Wenn du tiefer einsteigen willst: Im Newsletter zeige ich jeden Monat konkrete Wazuh-Konfigurationen, Detection-Rules und Tuning-Tipps. Trag dich ein.